Archiv der Kategorie 'Kolloquium WS 2010/2011'

18.11. Einführung Staatstheorie Nicos Poulantzas

Am Donnerstag den 18.11. wird Dr. John Kannankulam eine Einführung in die Staatstheorie von Nicos Poulantzas geben. Poulantzas gehört zu den wichtigsten marxistisch orientierten Staatstheoretikern des 20. Jahrhunderts und hat mit seiner Definition des Staates als „materielle Verdichtung von Kräfteverhältnissen“ einen wichtigen Beitrag zur materialistischen Staatstheorie geleistet. Er ist ein Kritiker verkürzter, allein auf ökonomische Zusammhänge konzentrierter Staatsananalyse und lehnt ebenso eine verengte Sichtweise des Staates als Instrument in den Händen einer Klasse ab. In kritischer Auseinandersetzung mit Antonio Gramsci und Louis Althusser entwickelte er eine ganz eigene Theorie, die bis heute Relevanz besitzt, die in dem Vortrag von John Kannankulam vorgestellt und näher beleuchtet werden soll.

Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 18.11.10, an der Uni Kiel in dem
kleinen Hörsaal der alten Mensa (Ecke Westring/Olshausenstr.) statt.
Beginn 18:00

Literatur:

John Kannankulam (2008): Autoritärer Etatismus im Neoliberalismus. Zur Staatstheorie von Nicos Poulantzas. Hamburg: VSA.

Alex Demirović, Stephan Adolphs und Serhat Karakayali (Hrsg.) (2010): Das Staatsverständnis von Nicos Poulantzas. Der Staat als gesellschaftliches Verhältnis. Reihe Staatsverständnisse. Frankfurt: Nomos.

Alex Demirović (2007): Nicos Poulantzas. Aktualität und Probleme materialistischer Staatstheorie. 2. überarb. und erw. Neuauflage (Erstausgabe Hamburg 1987), Münster: Westfälisches Dampfboot.

Lars Bretthauer/Alexander Gallas/John Kannankulam/Ingo Stützle (Hg.) (2006): Poulantzas lesen. Zur Aktualität marxistischer Staatstheorie. Hamburg: VSA.

Internetseite des Vortragenden:

http://www.kannankulam.de/

13.11. Veranstaltungstag Kritische Theorie

13. 11. | Alte Mensa | kl. Hörsaal | Olshausenstraße 40 | 11 Uhr
Workshop: Kritische Theorie – gestern und heute
Oliver Barth, Jan Sparsam (Bremen)

Die Kritische Theorie der „Frankfurter Schule” mit ihren schillernden Vertretern wie Theodor W. Adorno, Max Horkheimer und Herbert Marcuse, war weltweit eine der Hauptreferenzen der Studentenunruhen der 1960er Jahre und ging so in die Gründungsakte der Neuen Linken ein. Neben einem geschichtlichen Abriss ausgehend von den Anfangsjahren des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt über das Exil in den USA sowie die Rückkehr nach Deutschland, wollen wir uns mit den kritischen Aspekten ihrer Theorie(n) auseinandersetzen. Dazu zählen u.a. die begrifflichen Beweggründe für die berühmte Trennung von‚ traditioneller und kritischer Theorie’ und die folgen und facettenreiche Synthese von Marxismus und Psychoanalyse. Theoretischer Schwerpunkt bei der Beurteilung der Aktualität der Kritischen Theorie liegt auf Adornos späteren Überlegungen zum Problem gesellschaftlicher Totalität im Vergleich zu Marcuses Vorstellung einer emanzipatorischen Praxis. Anhand dieser Theorieelemente soll herausgearbeitet werden, warum sie bis heute Stachel
für die gesellschaftlichen Verhältnisse ist und linker Bezugspunkt bleibt.

Es sind keine Voraussetzungen zur Teilnahme nötig, Textstellen werden jeweils in der Präsentation dargestellt. Zur Einführung wird empfohlen: Michael Schwandt: Kritische Theorie zur Einführung, Stuttgart, (www.theorie.org).

13. 11. | Alte Mensa | kl. Hörsaal | Olshausenstraße 40 | 20 Uhr
„Entkorkte Flaschenpost?“ Kritische Theorie und Studierendenbewegung
Hanning Voigts (Hamburg)

Die studentische Protestbewegung der sechziger Jahre formulierte das politische Ziel einer sozialen Revolution. Viele der aktiven Studierenden in Deutschland wie den USA orientierten sich dabei an der Kritischen Theorie Herbert Marcuses und Theodor W. Adornos, die deshalb oft zu den „Vätern der Revolte“ erklärt wurden. Dabei waren beide Philosophen völlig zerstritten, was die Bedeutung der „Neuen Linken“ betraf – während Marcuse die Bewegung begrüßte, war Adorno eher skeptisch, ob sie eine progressive politische Rolle spielen würde. Anlehnend an seine Publikation zu dieser Thematik (http://www.lit-verlag.de/isbn/3-643-10386-4) beschäftigt sich dieser Vortrag mit den politischen und theoretischen Hintergründen dieser unterschiedlichen Einschätzungen. In der Diskussion um das Verhältnis von Gesellschaft und Individuum, Emanzipation und Gewalt erweisen sich Adorno und Marcuse dabei trotz aller Gemeinsamkeiten als Antipoden, besonders in der Frage nach dem Zusammenhang von Kritischer Theorie und politischer Praxis.

Veranstaltung zu Studentenverbindungen mit Felix Krebs

In den vergangenen Jahren wurde in Kiel die kritische Auseinandersetzung mit
den Studentenverbindungen vernachlässigt – die Existenz dieser
Organisationen weitgehend ignoriert. Umso überraschender war das Auftauchen
von farbentragenden Verbindungsstudierenden auf einer Bildungsdemo im
Frühsommer 2010. Das Ganze endete mit einem Polizeieinsatz und hinterließ
einige Fragen.
Was sind überhaupt Studentenverbindungen? Vielen fallen da sofort Dinge ein
wie das „Lebensbundprinzip“, der Ausschluss von weiblichen Studierenden,
elitäres und militaristisches Gehabe oder auch die Verknüpfung zu den
(radikalen) Rechten. Um den Fragen nach den strukturgebenden und
identitätsstiftenden Gemeinsamkeiten der Studentenverbindungen, aber auch
den Unterschieden zwischen diesen, einmal auf den Grund zu gehen, haben wir
Felix Krebs eingeladen.
Krebs hat zusammen mit Jörg Kronauer das Buch „Studentenverbindungen in
Deutschland – Ein kritischer Überblick aus antifaschistischer Sicht“
geschrieben, in welchem er anschaulich und differenziert die Mechanismen der
korporierten Lebensweise untersucht.
Anschließend wird noch ein Referent einen kurzen Überblick über die Kieler
Verhältnisse geben.

Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 4.11.10, an der Uni Kiel in dem
kleinen Hörsaal der alten Mensa (Ecke Westring/Olshausenstr.) statt.
Beginn 18:00

Die Veranstaltung wird in Kooperation mit Avanti Kiel und dem Asta der Uni
Kiel durchgeführt.

Veranstaltungsreihe WS 2010/2011

Auch dieses Semester dürfen wir uns auf folgende Veranstaltungen freuen. Die Planungen für Januar/Februar 2011 laufen bereits, Anregungen und Ideen sind natürlich willkommen.




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