28.4. Mai der Philosophinnen: Rosa Luxemburg

Ort: FH Kiel | Bunker D | 17-19 Uhr

Beim letzten Termin des Mai der Philosophinnen steht Rosa Luxemburg im Fokus.

Zwei Dinge machen nach Auffassung der Referentin Rosa Luxemburg für heutige politische Diskussionen relevant. Zum einen die nicht von ihr entwickelte, aber von ihr konsequent übernommene Philosophie des historischen dialektischen Materialismus. Diesen wendet sie konsequent auf die aktuellen politischen Themen ihrer Zeit an. Zum Teil sehr polemisch, inhaltlich jedoch durchaus nachvollziehbar, positioniert sie sich gegen jene, die höhere, allgemein gültige Werte zur Grundlage ihrer Politik machen. Zu diesen zählt sie unter anderem „Gleichheit“. Für Rosa Luxemburg ist Gleichheit demgegenüber kein abstraktes, ahistorisches, universelles Recht oder ein aus solchen Werten abgeleitetes, zu realisierendes Ziel, vielmehr könne die Forderung nach Gleichheit in der Politik je nach Kontext reaktionär oder progressiv sein. Es gelte daher die jeweiligen Machtverhältnisse zu analysieren und daran die politischen Ziele auszurichten und nicht nach einem universalistischen Ideal. Mit dem Hinweis auf Gleichheit werden auch heute politische Ziele begründet. Dazu werden Beispiele genannt. Wie würde Rosa Luxemburg darauf reagieren?

Zum zweiten ist auch ihr berühmtester Text, die Akkumulation des Kapitals, heute noch wert, genauer angeschaut zu werden. Darin stellt sie die These auf, dass es nirgends auf der Welt eine sich selbst genügende kapitalistische Gesellschaft mit ausschließlicher Herrschaft der kapitalistischen Produktion gegeben habe. Insbesondere die Produktion für den Selbstbedarf – heute würde man sie Subsistenzwirtschaft nennen – verkauft ihre Produkte nicht auf dem Markt. Diese nicht-kapitalistisch Produzierenden, von Rosa Luxemburg als „dritte Personen“ (neben LohnarbeiterInnen und KapitalistInnen) bezeichnet, spielen nach ihrer Auffassung ökonomisch eine entscheidende, sich zu kapitalistischen Zielen im Widerspruch befindende Rolle als Konsumentinnen und Konsumenten.
Mitte/Ende der 1970er Jahre wurde Luxemburgs Theorie von einigen Feministinnen, unter anderem von Claudia von Werlhof, auf Haus- und Beziehungsarbeit angewendet. Heute gibt es seit Neuerem innerhalb der Linken wieder eine Diskussion um feministische Ökonomie allgemein und Care-Ökonomie im Besonderen. Könnte Rosa Luxemburg heute mit ihren Thesen diese Diskussion anregen?

Diese Fragen können Leitlinien für eine Diskussion darstellen.

Referentin: Ursula G.T. Müller

Mit freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung





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