Archiv für Mai 2014

28.4. Mai der Philosophinnen: Rosa Luxemburg

Ort: FH Kiel | Bunker D | 17-19 Uhr

Beim letzten Termin des Mai der Philosophinnen steht Rosa Luxemburg im Fokus.

Zwei Dinge machen nach Auffassung der Referentin Rosa Luxemburg für heutige politische Diskussionen relevant. Zum einen die nicht von ihr entwickelte, aber von ihr konsequent übernommene Philosophie des historischen dialektischen Materialismus. Diesen wendet sie konsequent auf die aktuellen politischen Themen ihrer Zeit an. Zum Teil sehr polemisch, inhaltlich jedoch durchaus nachvollziehbar, positioniert sie sich gegen jene, die höhere, allgemein gültige Werte zur Grundlage ihrer Politik machen. Zu diesen zählt sie unter anderem „Gleichheit“. Für Rosa Luxemburg ist Gleichheit demgegenüber kein abstraktes, ahistorisches, universelles Recht oder ein aus solchen Werten abgeleitetes, zu realisierendes Ziel, vielmehr könne die Forderung nach Gleichheit in der Politik je nach Kontext reaktionär oder progressiv sein. Es gelte daher die jeweiligen Machtverhältnisse zu analysieren und daran die politischen Ziele auszurichten und nicht nach einem universalistischen Ideal. Mit dem Hinweis auf Gleichheit werden auch heute politische Ziele begründet. Dazu werden Beispiele genannt. Wie würde Rosa Luxemburg darauf reagieren?

Zum zweiten ist auch ihr berühmtester Text, die Akkumulation des Kapitals, heute noch wert, genauer angeschaut zu werden. Darin stellt sie die These auf, dass es nirgends auf der Welt eine sich selbst genügende kapitalistische Gesellschaft mit ausschließlicher Herrschaft der kapitalistischen Produktion gegeben habe. Insbesondere die Produktion für den Selbstbedarf – heute würde man sie Subsistenzwirtschaft nennen – verkauft ihre Produkte nicht auf dem Markt. Diese nicht-kapitalistisch Produzierenden, von Rosa Luxemburg als „dritte Personen“ (neben LohnarbeiterInnen und KapitalistInnen) bezeichnet, spielen nach ihrer Auffassung ökonomisch eine entscheidende, sich zu kapitalistischen Zielen im Widerspruch befindende Rolle als Konsumentinnen und Konsumenten.
Mitte/Ende der 1970er Jahre wurde Luxemburgs Theorie von einigen Feministinnen, unter anderem von Claudia von Werlhof, auf Haus- und Beziehungsarbeit angewendet. Heute gibt es seit Neuerem innerhalb der Linken wieder eine Diskussion um feministische Ökonomie allgemein und Care-Ökonomie im Besonderen. Könnte Rosa Luxemburg heute mit ihren Thesen diese Diskussion anregen?

Diese Fragen können Leitlinien für eine Diskussion darstellen.

Referentin: Ursula G.T. Müller

Mit freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung

14.05. Mai der Philosophinnen: La République des Lettres

Ort: FH Kiel | Bunker D | 17-19 Uhr

Der Mai der Philosophinnen im Rahmen des Philosophischen Salons geht weiter:

„It is possible that there are in the world a few women worthy of being listened to by a serious man; but, in general, is it from women that he ought to take counsel, and is there no way of honoring their sex without abasing our own?”1

Jean-Jacques Rousseau hatte offensichtlich für die französische Salonkultur der Aufklärung nichts übrig. Er hätte vielleicht auch die Einschätzung eines Historiographen der 1960er Jahre geteilt, der die gastgebenden Damen, die salonnières, als „cultivated Parisian ladies who played hostess to philosophers from all over the world“ beschrieb.2

Aus anderer Perspektive jedoch stellen sich Frauen wie Madame de Lambert, Madame du Deffand oder auch Madame de Staël als Regentinnen der «République des Lettres» dar. Sie etablierten und verfeinerten die Argumentations- und Gesprächskultur ihrer Zeit bis ins letzte Detail, lebten ein aufgeklärtes, emanzipiertes Frauenideal vor und brillierten mit Wissen, Witz und sozialen Fähigkeiten. Sie schufen den Rahmen für Diskurse, nicht für Kaffeekränzchen und öffneten damit nicht nur den Ideen der Französischen Revolution und der Aufklärung einen Raum, sondern auch dem, was heute als Ideal des herrschaftsfreien und gleichberechtigten Austauschs von Argumenten gilt. Zudem verfassten einige der salonnièren auch eigene philosophische Werke.

Kann man diese Frauen als Philosophinnen bezeichnen? Was ist Philosophie, und was macht das Philosophieren aus? Welcher Voraussetzungen bedarf der freie Gedankenaustausch und wie stell(t)en sich männliche und weibliche Rollen darin dar?

Über all dies kann gesprochen werden – im „Mai der Philosophinnen“.

1 Bloom, Allan: Politics and the Arts. Letter to M. d‘Alembert on the Theater. By Jean-Jacques Rousseau [1758] Glencoe, Illinois 1960, S. 47.
2 Gay, Peter: The Enlightenment. An interpretation, Bd. 2, New York 1966-69, S. 33. Zitiert nach: Goodman, Dana: The Republic of Letters. A cultural history of the French Enlightenment, Ithaca 1994, S. 65.

Referentin: Katia Backhaus

Mit freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung

07.05. Mai der Philosophinnen: Marta Nussbaum

Ort: FH Kiel | Bunker D | 17-19 Uhr

Der Mai der Philosophinnen im Rahmen des Philosophischen Salons beginnt:

Martha Nussbaum ist Professorin für Ethik und Rechtswissenschaften an der Universität von Chicago und gilt als eine der einflussreichsten Philosophinnen der Gegenwart. Ihre Auszeichnungen sind ungezählt und ihre Themen vielfältig – Antike, Feminismus, Entwicklungspolitik, Theorie der Emotionen.

Und alle Themen bündeln sich, wenn sie über das gute Leben nachdenkt. Gemeinsam mit Amartya Sen entwickelte sie den sogenannten Fähigkeitenansatz („capabilities approach“). Martha Nussbaum benennt zehn Grundfähigkeiten, die uns als Menschen gemeinsam sind, wie z.B. körperliche Integrität, Entwicklung des Verstandes, der Emotionen und der Sinne, Geselligkeit, Für-sich-sein, Kontakt zur Natur und Spiel. Für Martha Nussbaum ist „ein Leben, dem eine dieser Fähigkeiten fehlt, kein gutes menschliches Leben […], unabhängig davon, was es sonst noch aufweisen mag.“ (Gerechtigkeit oder Das gute Leben, Suhrkamp 1999) Aufgabe der Politik ist es, den Menschen Möglichkeiten zu geben, diese Fähigkeiten zu leben. Ein anspruchsvoller Ansatz. Realistisch?

Was für ein Leben wollen wir führen? Was braucht der Mensch, um ein gutes Leben zu führen? Was ist Gerechtigkeit? Wie sieht es aus mit der Verteilung von Gütern? Und was ist die Rolle des Staates?

Referentin: Gaby Loebus

Mit freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung




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