Sonntag 10. April Bernard Schmid „Die Aufstände in Nordafrik – Gründe, AkteurInnen und Perspektiven“ 16:00 Subrosa

Nach den Revolten für Demokratie in Tunesien und Ägypten -
Rückschlag in Libyen? Droht alles zum Alten zurückzukehren?

Das Jahr 2011 begann in vielerlei Hinsicht überraschend. Zwei mehr oder
weniger erfolgreiche Revolutionen in arabischen Ländern, ein dreifacher
Atomunfall in Japan – und danach eine breit angelegte Repression in
Teilen des arabischen Raums: Die Ereignisse scheinen sich zu überschlagen.

Nordafrika nimmt dabei seit Jahresbeginn eine zentrale Position ein. Die
Umbrüche dort – besonders in Tunesien und Ägypten – und die weitere
Entwicklung (einschlie?lich der Niederschlagung von Bewegungen, die
Veränderung einfordern, anderorts) haben weltweite Auswirkungen. Die
demokratischen und sozialen Revolten beflügelten zunächst Protestwillige
in zahlreichen Ländern andernorts. Von Angola bis China fanden zumindest
Nachahmungsversuche statt, unter Nutzung von Facebook und Internet
ebenso wie auf der Stra?e. Auch auf die internationale
Tourismusindustrie, den Erdölpreis und die Wirtschaftsbeziehungen
zwischen Nord- und Südufer des Mittelmeers sowie die Debatte über die
„Schulden“ so genannter Entwicklungsländer entfalteten die Ereignisse
erhebliche Auswirkungen.

Libyen schien seit Anfang März die Entwicklung, die bis dahin vielen
Beobachtern eher zum Optimismus Anlass gab, umschlagen zu lassen. Wo in
Tunesien und Ägypten zivile Massenproteste, Arbeitslosenrevolten und
gewerkschaftliche organisierte Streiks den Lauf der Dinge ma?geblich
prägten, dominierten in Libyen schnell Auseinandersetzungen
militärischen Charakters. Wesentlich dafür verantwortlich war die
äu?erst repressive und gewaltförmige Antwort des libyschen Regimes von
Anfang an, die die repressiven Reaktionen der tunesischen und der
ägyptischen Diktatur auf „ihre“ Protestbewegungen schnell überragte.

Im Laufe der Wochen schien die libysche Diktatur erfolgreich in die
Gegenoffensive zu bringen, die Protestfront und die bewaffneten Rebellen
brachen auf militärischer Ebene ein. Im Falle einer deutlichen
Niederlage drohten ihnen und der sie unterstützenden Bevölkerung schwere
Massaker. Die Entwicklung an der „Front“ wurde von der Rekrutierung
afrikanischer Söldner durch die Regierung, aber auch – politisch
geschürten – pogromartigen Ausschreitungen gegen andere Afrikaner und
von einer Massenflucht der in Libyen lebenden Ausländer (Tunesier,
Ägypter, Algerier…) begleitet.

Auf der Veranstaltung am 10.04 im Subrosa wollen wir uns mit diesen
unterschiedlichen Phänomen beschäftigen. Wir möchten uns die Frage
stellen, was die kontrastreichen Entwicklungen in Tunesien, Ägypten und
in Libyen (auf dem aktuellen Zwischenstand) gebracht haben, und wie sie
einzuordnen sind. Wir wollen die Frage der Stellung dieser Länder in der
europäischen Migrationspolitik diskutieren. Unsere Debatte wird sich
auch um die Rolle der Kräfte des politischen Islam, um die Wahrnehmung
der Ereignisse durch Israel und ihre Auswirkungen auf die Länder der
Nordseite des Mittelmeers drehen.





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