Sam. 29.01. ab 12:00 in der Hansa48 – Workshop: Geschichte der italienischen (radikalen) Linken und Theorie des Operaismus

Seit jeher gilt Italien als Projektionsfläche diverser Träume und Wünsche. Für die einen sind die Strände der Adria, für andere Kunst und Kultur und wieder andere schwärmen von den kulinarischen Reizen wie Pizza, Pasta und Tiramisu. Auch die deutsche Linke schaut seit jeher gern mit träumerischem Blick gen Süden. Die Geschichte der Resistenza, die vergangene Stärke der Kommunistischen Partei, die in zahlreichen Dörfern und Städten die Bürgermeister stellte, kämpferische Gewerkschaften und häufige Streiks, besetzte Zentren und eine militante autonome Linke – praktisch alle Facetten der Linken fanden und finden in Italien, was sie hierzulande meist vermiss(t)en.

Die Einführung will von der politischen Integration der Kommunistischen Partei nach 1945 und der Entstehung einer autonomen Linken, der Phase der Stadtguerilla, etc. bis zur Herausbildung einer postautonomen Linken seit den 1990ern mit globalisierungskritischen Gruppen wie den Tutte Bianche und den Disobbedienti den historischen Verlauf der letzten Jahrzehnte skizzieren. Neben der Geschichte linker / linksradikaler Parteien und Gruppen soll aber besonders die Geschichte sozialer Bewegungen wie der feministischen Bewegung, alternativen Wohn- und Kommunikationsprojekten, etc. vorgestellt werden. Ausser dem historischen Interesse an der italienischen Autonomia wecken aktuell die Thesen post/operaistischer Theoretiker_innen das Interesse so unterschiedlicher linker Zusammenhänge wie antirassistischer und globalisierungskritischer Gruppen als auch der Debatten um Prekarisierung und Aneignung.

Um ein besseres Verständnis dieser Diskussionen zu bekommen, soll ein weiterer Schwerpunkt der Einführung auf der Präsentation der Theorie des Operaismus und Postoperaismus liegen, die seit den 1960ern in Distanz zum traditionenellen Marxismus eine originelle Neuinterpretation von Marx versuchten. So werden die wichtigsten Thesen operaistischer Theoretiker_innen wie Mario Tronti, Toni Negri, Sergio Bologna etc. und ihre Begriffe wie militante Untersuchung, Klassenzusammensetzung, Massenarbeit, Kritik der Arbeit vorgestellt. Auch postoperaistische Überlegungen um Empire und Multitude, Biomacht und immatrielle Arbeit sollen präsentiert werden. Abschließend wird noch die Kritiken am Post/operaismus bzgl. einer gewissen Revolutionsromantik und eines bisweilen traditionellen Klassenbegriffs darstellt.

Der Referent Moritz Zeiler ist Historiker und Politikwissenschaftler und Mitglied im Vorstand der Rosa Luxemburg Initiative Bremen.

Im Anschluss an den Workshop wird es eine Vokü mit (eventuell) speziell italienischen Köstlichkeiten geben, im Kino der Hansa48 zeigen wir abends die Dokumentation „Antonio Negri: eine Revolte, die nicht endet“ und in der Kneipe kann das geneigte Ohr italienischen Schlagern lauschen und Rotwein trinken.





Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: