14.01.2010 Lars Gertenbach: Kritik als subversive Praxis? Gesellschaftskritik im Spannungsfeld von Kritischer Theorie und Poststrukturalismus

Das neue Jahr hat begonnen und das Kolloquium wird krass, wie gewohnt am Donnerstag um 18:00 Uhr OS75 Geb. 2 R.23, eingeleitet.

Zeiten der Krise sind – so könnte man meinen – auch Zeiten der Kritik. Doch nicht erst das Ausbleiben wirklicher Gesellschaftskritik angesichts der derzeitigen Krise wirft die Frage auf, was unter Kritik eigentlich zu verstehen ist. Ist Kritik mehr als eine bloße Empörung, mehr als eine verbalisierte Beschwerde? Wie funktioniert Kritik, was zeichnet Gesellschaftskritik aus? Und vielleicht noch wichtiger: aus welchen Grundlagen schöpft sie sich, von welchem Standpunkt aus operiert sie? Was also sind die Fundamente der Kritik, die normativen Maßstäbe, auf die sie sich gründet und von denen aus etwas als falsch, problematisch oder fatal kritisiert wird?
Diese Fragen bilden den Ausgangspunkt des Vortrages, der unter Rückgriff auf die Diskussionen zwischen Kritischer Theorie und Poststrukturalismus der Frage nachgehen wird, ob und wie sich Gesellschaftskritik in der modernen Gesellschaft überhaupt begründen und ausweisen lässt. Dass es hierfür nicht länger einen Standpunkt außerhalb der Gesellschaft gibt, dürfte spätestens seit Adorno und Horkheimer auf tragische Weise deutlich geworden sein. Während die darauf folgenden Generationen der Kritischen Theorie (also v.a. Habermas und Honneth) dieses Problem durch eine Rückgewinnung normativer Kritikmaßstäbe zu bewältigen versuchen, gehen poststrukturalistische Positionen noch über Adorno und Horkheimer hinaus und begreifen dieses Scheitern als Chance zu einer anderen, nicht begründungsorientierten sondern subversiven Form der Kritik.
Vor diesem Hintergrund greift der Vortrag die Debatten innerhalb von Gesellschaftskritik und normativer Philosophie auf, um verschiedene Formen der Gesellschaftskritik voneinander zu unterscheiden und auf ihre Probleme hin zu befragen. Eine zentrale These dabei ist, dass die begründungsorientierten Kritikmodelle nicht nur immanente Probleme aufweisen, sondern auch

Literatur:
Theodor W. Adorno: Kritik, in: Kulturkritik und Gesellschaft II. Gesammelte Schriften, Bd. 10.2, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1997, S. 785-793.
Thomas Lemke: Andere Affirmationen. Gesellschaftsanalyse und Kritik im Postfordismus, in: Axel Honneth/ Martin Saar (Hg.): Michel Foucault. Zwischenbilanz einer Rezeption. Frankfurter Foucault-Konferenz 2001, Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 259-276.
Axel Honneth: »Rekonstruktive Kritik unter genealogischem Vorbehalt. Zur Idee der Kritik in der Frankfurter Schule«, in: ders. (Hg.), Pathologien der Vernunft. Geschichte und Gegenwart der Kritischen Theorie, Frankfurt/M., 2007, S. 57-69.
Michel Foucault: Was ist Kritik?, Berlin: Merve 1992.

Infos zum Referenten


3 Antworten auf “14.01.2010 Lars Gertenbach: Kritik als subversive Praxis? Gesellschaftskritik im Spannungsfeld von Kritischer Theorie und Poststrukturalismus”


  1. 1 stefia 14. Januar 2010 um 10:58 Uhr

    dear and friendship people!

    kritik als identitätsstiftender arbeitsfetisch?
    oder: wann ist eure kritik endlich reif genug um sich zaghaft, gaaanz vorsichtig und ohne jegliche eile – oder gar ernsthafte motivation? – der praxis zu nähern?!?
    wieviele krisen soll das dauern?

    doch das soll hier ein konstruktiver eintrag sein:
    bitte veranstaltet doch mal ein paar vorträge in kiel über konkrete und schon längst vorgelebte ausstiegsmöglichkeiten mit leuten die daran zuhauf schon erfahrungen gesammelt haben! z. b. mit subsistenzwirtschaftlichen kommuneverbünden wie z. b. „longo mai“, die zahlreich in dem eurotopia-buch vorgestellt sind, s. http://www.eurotopia.de/.
    oder ihr ladet euch ma‘ permakultur-aktivistInnen aus der hiesigen region und aus österreich ein, wo diese ‚australische‘ idee der permanenten landwirtschaft sehr breiten anklang gefunden haben soll, s. http://www.permakultur.net/.

    lg stev

  2. 2 stefia 14. Januar 2010 um 11:01 Uhr

    ?

  1. 1 Kritik als subversive Praxis? Gesellschaftskritik im Spannungsfeld von Kritischer Theorie und Poststrukturalismus « Audioarchiv Pingback am 21. Dezember 2010 um 23:08 Uhr
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