Mi 6.05.09 „Von der Schwierigkeit nicht rassistisch zu sein“ – Ines Fögen (IMIR Hamburg) im Anschluss Vortrag zu europäischer Migrationspolitik in der Alten Meierei

Die Schwierigkeit, nicht rassistisch zu sein

Ausgehend von der im Titel zitierten, 1986 veröffentlichten Publikation, die einen der ersten Versuche rassimuskritischer Theorierezeption und -entwicklung in der BRD dokumentiert, werde ich einige der bis heute entwickelten Positionen, Problemstellungen und theoretischen Standpunkte rassismuskritischer Auseinandersetzung und Theorieentwicklung skizzieren.

Dabei soll der Fokus darauf liegen, das Ineinandergreifen der Konstruktion einer hierachisierenden und hegemonialen Unterscheidung zwischen einem nationalem, ethnischem, kulturellem WIR und einem NICHT-WIR (als dem ideologischen Kern rassitischen Denkens) und der (Re)produktion und Legitimation dieser Unterscheidung durch gesellschaftliche Praktiken und Diskurse sichtbar zu machen.

Die rassismuskritische Forschung und Theorieentwicklung hat in den vergangenen 30 Jahren eines sehr deutlich sichtbar gemacht: Rassismus ist ein vielgestaltiges und beständig sich wandelndes soziales und gesellschaftliches Phänomen. Nicht nur rassismuskritische Theorieentwicklung ist daher als „beständig zu entwickelnde und unabschließbare Praxis“ (Melter/Mecheril 2009) zu entwerfen, dieses Forderung gilt auch für ihre Rezeption und Aneignung.

Ich diesem Sinn gestalte ich die Veranstaltung als einen gemeinsam zu unternehmenden, aktiven Versuch der Rassismus-Kritik. Ich werde nicht ausschließlich referieren, sondern die Erfahrungen, Fragen und Positionen der Teilnehmer/-innen durch Übungen und Diskussionen einbeziehen. In der gemeinsamen Auseinandersetzung soll deutlich werden, dass es sich beim Phänomen Rassismus nicht um eine individuelle Haltung, vielmehr um ein gesellschaftliches Verhältnis handelt, in das alle Mitglieder der Gesellschaft eingebunden sind, das in allen gesellschaftlichen Spähren und bis in die Individuen und ihre Beziehungen hineinwirkt und dem sich die Einzelne/ der Einzelne nicht entziehen kann. In diesem Sinn muss Rassismus-Kritik immer einhergehen mit der Entwicklung einer Standpunkt- und Selbstreflexität, „die eigene Verstrickungen, Vor- und Nachteile in einer von Rassismen, Sexismen und Einkommensungleichheiten strukturell beeinflussten Gesellschaft berücksichtigt.“ (Melter/Mecheril 2009)

Literatur

Kalpaka, Annita/Räthzel, Nora (1986). Die Schwierigkeit, nicht rassistisch zu sein. Leer.
Melter, Claus/Mecheril, Paul (2009). Rassismuskritik Band 1: Rassismustheorie und -forschung. Schwalbach/Ts.

Im Anschluss wird es im Rahmen der Vokü in der Alten Meierei einen Vortrag zu europäischer Migrationspolitik mit ReferentInnen vom Cafe Exil aus Hamburg geben.

FESTUNG EUROPA – Die Europäische Migrationspolitik

Europa betreibt eine Migrationspolitik, die als Kriegsführung gegen (unschuldige) Migranten/innen bezeichnet werden muss. Ein Abschottungssystem aus Zäunen, Kriegsschiffen und Polizeitruppen u.a. sorgt für eine starke Flüchtlingsabwehr, die es immer schwieriger macht hinter die Mauern der Festung Europa zu gelangen und viele Tote und Verletzte fordert.

Unser Vortrag soll verdeutlichen wie absurd dieser Krieg ist, welche Folgen die europäische Migrationspolitik hat und welche Rolle die Grenzschutzagentur FRONTEX dabei spielt. Beispiele und Zitate zeigen das Ausmaß, das nur selten vereinzelt an die Öffentlichkeit dringt. Die eigentliche Botschaft der Flüchtlinge übermitteln die verantwortlichen Politiker nur ungern an ihr Wahlvolk und schüren damit rassistisches Denken…





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