„Nein, nein, das ist nicht der Marxismus“

„ Und dann sagen die Leute: Nein, nein, das ist nicht der Marxismus.“

(frei nach Classless Kulla und Istari Lasterfahrer)


Prolog

Für den 17. Dezember 2008 hatten wir die Marxistische Abendschule gebeten, uns im Rahmen des Kolloquiums eine Einführung in Marx‘ Theorie zu geben. Mit dem Verlauf der Veranstaltung sind wir aber sehr unzufrieden bis frustriert. Wie repräsentativ der Referent für die MASCH war, bleibt uns aber unklar. Klar ist uns jedoch, dass wir den Verlauf der Veranstaltung kommentieren müssen, da in diesem Stil für uns keine Politik stattfinden kann. Im Folgenden werden wir den Verlauf und die Planung der Veranstaltung skizzieren. Dabei haben wir die Äußerungen des Referenten und die Kommunikationssituation dokumentiert. Letzteres vor allem auch um die Beklemmung und Dramaturgie nachvollziehbar zu machen.

Das Orchester spielte bis zum Untergang

Der erste Akt des Referenten war, zu betonen, dass er nicht im Namen der MASCH rede, sondern als Einzelperson.

In den ersten zwei Dritteln des Vortrages beschäftigte sich der Referent, wie abgesprochen, mit marxistischer Theorie. Gespickt mit vielen Zitaten gab er einen allgemeinen Einblick in die Schriften und Analysekategorien von Marx, oft aber zu allgemein und im Stil einer Einführungsveranstaltung an der Uni. Für politische Analysemöglichkeiten gab es in dem Vortrag leider keinen richtigen Ansatz.

Wirklich problematisch wurde das letzte Drittel seines Vortrages. Dieser Teil entwickelte sich zu einem Konglomerat aus Polemik, Beleidigungen, Stigmatisierungen und Denunziation. Verbunden mit seinen Äußerungen haben drei weitere Personen gezielt versucht, eine Kommunikationssituation zu produzieren, die den Referenten stützte und Kritik negierte.

Als Aufhänger benutzte der Referent die Rede „Zur Frage der Kritik“, welche auf einer Fahrraddemo gehalten wurde und auf dem Blog „loewenzahn.blogsport.de“ veröffentlicht wurde. Er kommentierte die Rede als das Resultat etwa eines Einführungskurses 1. Semester Soziologie gespickt mit Versatzstücken marxistischer Theorie. Nach dem ideologischen Einheizen zitierte er verschiedene Auszüge aus der Rede und versuchte damit den Inhalt durch Hohn und Spott der Lächerlichkeit preiszugeben. Allerdings vermied er seinerseits eine inhaltliche Kritik und eine Stellungnahme, stattdessen vertraute er auf eine populistische Inszenierung, die aber nur funktioniert, wenn das Publikum der Meinung folgt, ohne dazu etwas darlegen zu müssen. Die Stellen, welche er für unmarxistisch und lächerlich befand, kritisieren die personifizierte und damit verkürzte Kapitalismuskritik. Kapitalismus soll als ein abstraktes Zwangsverhältnis begriffen werden in dem es kein wahres Täter- (Kapitalist) und Opfer -(ArbeiterIn)Verhältnis gibt. Dass eine Personifizierung in antisemitische oder antiamerikanische Stereotype münden kann, hielt er dann auch für den Gipfel der Lächerlichkeit. Einziges Gegenargument seinerseits war, dass dies nur einem verwässerten Antisemitismusbegriff entspringe. Damit umgeht er Theoriediskurse der letzten zwei Jahrzehnte zur Kapitalismuskritik und versucht dies mit Marx zu legitimieren.

Kapitalismus ist nicht ohne Personen denkbar, wer ihn aber auf Personen reduziert, verkennt den Zwang der Verhältnisse, die zum Produzieren und Arbeiten nötigen. Wir wenden uns gegen das Projizieren des Bösen auf „die da Oben“ und fordern eine Analyse der strukturellen Bedingungen und den offenen kritischen Diskurs, jenseits von Populismus.

Die Rede war aber nur der Anlass, um endlich mal gegen Alle vorzugehen, die, seines Erachtens nach, solche Äußerungen produzieren. Eigentlich sei dies Produkt von Leuten wie Henryk M. Broder oder der „rechts-poplinken Jungle World“, die sowieso alle Kriegstreiber wären. (Es grenzt schon an Ironie, dass uns an dem besagten Abend 60 Ausgaben der „Jungle World“ zur Verfügung gestellt wurden. So konnten sich die Anwesenden doch selbst eine Meinung bilden.)

Ebenso dieser Arbeitskreis, welcher Leute sprechen ließe wie den „Antikommunisten Olaf Kistenmacher“ oder den „Wertmarxisten Michael Heinrich“. Und wenn nicht die genannten Gruppen und Personen Schuld sind, dann solche wie der „Rechte Arbeitskreis BAK Schalom in der Linkspartei“ (Bundesarbeitskreis „Schalom“, der gegen Antisemitismus und Antizionismus arbeitet). Diese Ausbrüche wurden in keiner Weise belegt oder erläutert. Zwar war die Bedeutung für Menschen außerhalb des linken Modernisierungsdiskurses nur schwer verständlich, doch klar war die Stigmatisierung und Feindseligkeit. Hier wurde keine Diskussion angeregt, sondern gepöbelt.

Und das Auditorium?

Die Veranstaltung war mit 50 Personen sehr gut besucht. Im Auditorium saßen auch drei Personen, die wir dem politischen Umfeld des Referenten zuordnen. Diese schafften es, einen völligen kommunikativen Bruch zu produzieren. Mit Zurufen und lautem Gelächter unterstützten sie die Verhöhnungen, die vom Referenten kamen. Forderungen aus dem Auditorium, an den Referenten, sich inhaltlich statt polemisch zu äußern, nutzte die Combo um lautstark diese Personen verbal anzugehen. Jede Kritik sei Schwachsinn und entspringe nur diesem „Henryk M. Broder Fanclub“, stattdessen verkünde der Referent endlich mal das Richtige. Als der Moderator am Ende sein Bedauern über den stigmatisierenden und polemischen Teil des Vortrags äußerte, wurde auch dieser sofort verbal belästigt. Seine Forderung nach einer offenen Auseinandersetzung wurde wieder nur verhöhnt.

Epilog

Unsere Motivation für die Einladung der MASCH war es, Bewertungen und Analysemöglichkeiten der Theorie Marx‘ aus der Perspektive der Gegenwart zu erhalten. Dies sehen wir als misslungen an. Nun gut, trotz der Ankündigung als Einzelperson zu sprechen, immunisiert dies weder die MASCH sich zu ihrem Referenten zu verhalten, noch den Referenten. Denn die MASCH wurde angefragt, sie sagte zu und wir kündigten sie an. Außerdem ist es eher unglaubwürdig, dass der Referent als MASCH-Vertreter eine gänzlich andere Meinung hätte.

Misslungen ist die Veranstaltung vor allem, da statt einer Theoriedebatte die Veranstaltung für einen politischen Kleinkrieg benutzt wurde. Es wurde (gezielt) ein Klima erzeugt, das keine Diskussion ermöglichte. Viele wollten die Veranstaltung so schnell wie möglich „hinter sich bringen“, andere verließen während der verbalen Ausfälle entnervt den Raum. Das Beklatschen von „Wahrheiten, die endlich verkündet werden“, das Stigmatisieren von politischen „GegnerInnen“ und vor allem die konsequente Verweigerung von Auseinandersetzung, ist Ausdruck von identitätsstiftender und dogmatischer Politik. Hier können wir keinen emanzipatorischen Inhalt mehr ausmachen.

Bei Berücksichtigung des dargestellten Inhalts ist es nachvollziehbar, dass der Referent nicht wollte, dass sein Referat aufgezeichnet wird.

Ak Kolloquium Kiel, Januar 2009.

P.S.: Wir haben auf die Namen der ProtagonistInnen verzichtet. Denunziation halten wir für kein probates Mittel der politischen Auseinandersetzung.

akkiel.blogsport.de


11 Antworten auf “„Nein, nein, das ist nicht der Marxismus“”


  1. 1 phex 12. Januar 2009 um 22:45 Uhr

    welche MASCH denn?

  2. 2 Damit.. 13. Januar 2009 um 1:13 Uhr

    hat er sich doch nur der Mittel bedient, mit denen der ganze Bak Shalom und Jungle World AD Haufen auch immer arbeiten (Das rechtfertigt sein Verhalten natürlich nicht – Im Gegenteil). Moralische Denunziation und Hetze, statt wissenschaftlicher Analyse. Bezieht sich eure kritik auch auf diese Leute oder hat er nur verschissen, weil er nicht eure Moral teilt?

  3. 3 th3o 13. Januar 2009 um 20:30 Uhr

    @phex
    das war die marxistische abendschule hamburg.

    @thema
    bereits die rede von „moral“ ist quatsch.
    wer herummoralisiert versäumt den untersuchungsgegenstand
    moral ist das formale begutachten einer maxime in hinsicht auf ihre mögliche verwendung als allgemeines gesetz.
    das problem aber ist, dass man formal kein schema von gegenstand x auch auf gegenstand y anwenden kann weil der inhalt mit der sache wechselt.
    moralisieren beinhaltet demnach das hypostasieren einer sache und damit das instrumentalisieren einer sache…und weiter die verdopplung der sache dadurch, dass man ihr den moralsichen schematismus auferlegen will.

  4. 4 stop 14. Januar 2009 um 11:49 Uhr

    Ich würde zur Kritik an „antideutschen“ Positionen folgende Texte empfehlen:

    http://www.isf-freiburg.org/isf/beitraege/enderwitz-quo.vadis.html
    http://www.reichtum-und-religion.de/konsum/konsum-node2.html

    Ansonsten ist meiner Meinung nach personifizierte Kapitalismuskritik nicht per se antisemitisch, allerdings weist sie gewisse Tendenzen auf.

    P.S: Könntet ihr Enderwitz nicht mal einladen? ;)

  5. 5 th3o 15. Januar 2009 um 13:04 Uhr

    Also zunächst mal:

    Zum Aspekt der Personifizierung:
    Marx schreibt selbst im Vorwort zur ersten Auflage, dass er keineswegs das Kapital direkt an bestimmte Personen festmachen will. Dazu Zitat:

    „Zur Vermeidung möglicher Mißverständnisse ein Wort. Die Gestalten von Kapitalist und Grundeigentümer zeichne ich keineswegs in rosigem Licht. Aber es handelt sich hier um die Personen nur, soweit sie die Personifikation ökonomischer Kategorien sind, Träger von bestimmten Klassenverhältnissen und Interessen. Weniger als jeder andere kann mein Standpunkt, der die Entwicklung der ökonomischen Gesellschaftsformation als einen naturgeschichtlichen Prozeß auffaßt, den einzelnen verantwortlich machen für Verhältnisse, deren Geschöpf er sozial bleibt, sosehr er sich auch subjektiv über sie erheben mag.“ (Marx-Engels-Werke, Bd. 23, berlin 1968, 17.)

    Vor allem mit dem Verweis auf das Nicht-verantwortlich-machen des einzelnen sollte die Frage ob „Personifizierung“ ja/nein beantwortet sein.

    Den Fetisch kann man sich als eine Art „mystische“ Sphäre vorstellen, die über die Menschen (egal ob Kapitalist oder Beschäftigter) waltet. Das sind die undurchschauten Beziehungen zwischen den Menschen, die sich als versachlichte (also in Waren abgebildete) Verhältnisse spiegeln und sich dann den Menschen als natürliche Eigenschaften der von ihnen geschaffenen Gegenstandswelt präsentieren. Durch diese Art der Verselbständigung den Menschen gegenüber können diese Verhältnisse sich reproduzieren weil die Menschen ihr Bestehen als einen irgendwie notwendigen Naturzusammenhang verstehen und blind dem Zwang der Verwertung, zumal derjenigen Verwertung der eigenen Arbeitskraft, folgen.
    Ein gutes Beispiel für diesen Fetisch ist die Ware als „sinnlich-übersinnliches“ Ding. Das meint, dass sie in sich sowohl Gebrauchswert beinhaltet als auch Tauschwert. Der Tauschwert aber ist überhaupt nicht greifbar. Der Gebrauchswert hingegen schon, nämlich indem etwas mit diesem Ding gemacht werden kann.

    An dieser Stelle sei dazu auch Michael Heinrich zitiert, der am 4.2. selbst als Referent beim Kolloquium zugegen sein wird.

    „Gegenüber den Junghegelianern hatte sich Marx in der Deutschen Ideologie über ihre Auffassung, die Menschen würden von Abstraktionen beherrscht, lustig gemacht. Jetzt muss er zugeben, dass dies in gewisser Hinsicht doch zutreffend ist: die Menschen werden davon beherrscht, dass ihre Arbeitsprodukte „Werte“ sind, dass es sich nicht nur um Gebrauchsgegenstände, sondern zugleich um Wertgegenstände handelt, wobei der Wert einerseits nirgendwo zu fassen ist, weshalb sich die Waren als „sinnlich-übersinnliche“ Dinge (MEW 23, 86) erweisen, dieser nicht fassbare Wert aber zugleich eine sinnlich greifbare Existenz im Geld besitzt. All dies betätigt sich, wie Marx metaphorisch schreibt, „im Naturinstinkt der Warenbesitzer“, d.h. die Warenbesitzer folgen den Gesetzen der Warennatur, ohne sich über diese Gesetze im Klaren zu sein. Die Warenbesitzer folgen in ihren ökonomischen Handlungen (und, wie sich anhand der Lohnform zeigen lässt, auch in den ethischen Bewertung dieser Handlungen) einer Rationalität, die ihnen durch die ökonomische Struktur der Gesellschaft vorgegeben ist, einer Rationalität, die ihnen als ganz natürlich erscheint, so widersinnig sie sich bei näherer Analyse auch zeigen mag. Die Agenten der kapitalistischen Produktionsweise (und zwar alle: Herrschende und Beherrschte), so Marx am Ende des dritten Kapital-Bandes leben in einer „verzauberten, verkehrten und auf den Kopf gestellten Welt“ (MEW 25, 838), sie unterliegen den Fetischismen und Mystifikationen, die von den ökonomischen Verhältnissen hervorgebracht werden.“ (von: www.oekonomiekritik.de -> Weiterführendes -> Artikel von Heinrich: „Praxis und Fetischismus. Eine Anmerkung zu den Marxschen Thesen über Feuerbach und ihrer Anwendung“)

  6. 6 Karl Heinrich 15. Januar 2009 um 14:34 Uhr

    Lektütetipp: Wie man „Das Kapital“ nicht schon wieder neu lesen sollte. Zur Kritik der „Einführung in die Kritik der politischen Ökonomie“ von Michael Heinrich

  7. 7 josef ackermann 15. Januar 2009 um 23:43 Uhr

    bla bla, marx sieht den kapitalismus nunmal rational als system. die personalisierungs bzw. personifikationsdebatte ist trotzdem haarsträubend, besonders wenn da immer auf den karl geschaut wird. dieser hat nämlich, th3o, im „kapital“ durchaus beides gemacht, sogar zusammen: moralisiert beispiele für die besonders bekämpfenswerten exemplare der bourgeoisie, wie sich in der aktuellen „analyse und kritik“ nachlesen lässt. warum diese zeilen immer ignoriert werden, weiß ich nicht, genauso wenig, warum die kritik an der personalisierung unbedingt durch marx gedeckt sein muss. vor allem, weil die ganze kommie chose doch spätestens mit dem politischen zweck v.a. des kommunistischen manifests auf die absolute trennung in revolutionäres subjekt und ausbeutende hinausläuft: zum einen diejenigen, die mit marx die wirklichkeit erkennen und die geschichte neu schreiben, zum anderen die jenigen, die den platz der untergegangenen herrscher und unterdrücker übernehmen. dieser historische determinismus beinhaltet doch die krasseste form von authoritärer festschreibung und stigmatisierung von denkrichtungen, sozialen schichten bis hin zu bestimmten funktionsträgern.
    eine konsequente negierung von personalisierung von kapitalismus kritik wäre zumindest die abkehr von marxistischen denkmustern, wenn es überhaupt eine kapitalismus kritik geben kann, die ohne strukturen auskommt, in denen nicht eine bestimmte soziale gruppe, entscheidungsträger, profiteure des bestehenden möglicherweise zu erklärungen von missständen herangezogen werden.
    nun bleibt die frage, was mensch überhaupt will. politik findet halt außerhalb von denkgebäuden und elfenbeintürmen statt, und es hat seinen grund, warum in unserer kapitalistischen wirklichkeit traditionelle identitäten – zum teil kann man sagen: zum glück – zerstört oder mindestens durcheinander gewürfelt werden, um sie dann wieder neu zusammenzusetzen, und so strukturen der verteilung von ressourcen zu rechtfertigen und zu verewigen. im klartext: wenn klima flüchtlinge, arbeitsmigrantInnen (die in ihrer erscheinungsform etwas wesentlich anderes sind als migrantInnen in vorkapitalistischen gesellschaften), auf der anderen seite kreative lifstyle-medien studenten yuppies oder- aufgepasst, es wird gesagt, denn es gibt sie nunmal wirklich – aktionärsdynastien usw. wenn all diese neuartigen sozialen schichten nunmal die erscheinungsform des kapitalismus ausmachen, welche positon nimmt denn dann der klimaflüchtling gegenüber dem studentischen mode yuppie ein? in die sicht eines mittellosen, illegalisierten arbeitsmigranten hineinversetzt: wie ist seine stellung zum BKA sonderkommissar gegen illegale einwanderung? auf der ebene der depersonalisierten kapitalismus kritik? wohl kaum. und auch wenn natürlich jeder konzern nach den selben marktwirtschaftlichen zwängen handeln muss, bla bla, schon verstanden: wieso ist soll die wut von entlassenden arbeiterInnen auf die spitze eines rekordprofite einfahrenden konzerns im angesichts des entlassungsscheins verfehlt sein? marx, den ich äußerst kritisch sehe, aber trotzdem, der würde den arbeiterInnen bestimmt nicht erzählen, sie sollten sich mal wieder abregen und sich mit den studierenden der nächsten uni zusammentun, um zu überlegen, wie mensch dieses system ohne jeden groll auf funktionsträger umwälzen kann. weil solche – ja nunmal in form von regierenden und managenden – ja leider real existierenden funktionsträger eine umwälzung, wenn sie einmal die ungerechtigkeit des systems verstanden haben, bestimmt ohne weiteres zulassen würden? ich glaube, die depersonalisierungsdebatte führt in tausend richtungen, und geht somit an dem eigentlichen anliegen vorbei. antisemitische strukturen müssen an konkreten fällen des antisemitismus benannt und bekämpft werden, und nicht in einer metaphsysischen gedankenschlacht.

  8. 8 nonono 16. Januar 2009 um 1:38 Uhr

    zu Helden Karl Lektütetipp dann aber auch noch die Ergänzung:

    http://www.classless.org/2008/08/24/gegenstandpunkt-vs-michael-heinrich/

  9. 9 th3o 17. Januar 2009 um 5:08 Uhr

    Naja, das ist eben die ewige Leier des GSP (gegenstandpunkt), kennt man mittlerweile auch schon.
    Alle Kritik, die nicht mit einer empörten und überemotionalisierten Haltung gegenüber Staat und bösen Kapitalisten endet, diese Kritik hat der Ansicht des GSP nach den Untersuchungsgegenstand sowieso verfehlt und Karl Marx und sein „Kapital“ erst gar nicht verstanden. Dass sich dabei nicht einmal bemüht wird zu sehen, dass die Handlungsanleitungen des jungen Marx beim alten Marx schon lange nicht mehr vorkommen (zumal die Theorie der Entfremdung oder die teils naiven Forderungen aus dem Kommunistischen Manifest oder die emphatischen Feuerbachthesen (besonders die 11te)) ist die Regel beim GSP.
    Verstörend ist auch, dass der Staat allem Anschein nach, wenn es nach dem GSP gehen soll, nicht aus Menschen besteht, die selber vom Fetisch getrieben werden und nur aufgrund des Fetisch das tun was sie tun und das verordnen was sie verordnen, sondern der Staat ist beim GSP wohl ein hypostasiertes böses Subjekt. Das, frei nach Marx, „verzauberte“ und „phantastische“ Denken des GSP ist also entsprechend der Überzeugung, dass mit einer Abschaffung des Staates auch zugleich die Kapitallogik gebrochen wäre. Mit Nichten…but nice try.

  10. 10 josef ackermann 18. Januar 2009 um 16:33 Uhr

    das problem bleibt bestehn: wohin mit der moral? sind 250 jahre aufklärung nur ein beiläufiges geplänkel der wirtschaftlichen entwicklung gewesen? es drängt sich der eindruck auf, dass es eine „nicht personalisierte kapitalismus kritik“ nur geben könnte, wenn alle subjekte gestrichen werden. liegt wahrscheinlich an der fixierung auf foucault. nun ist die bürgerliche vorstellung von gerechtigkeit und freiheit sicherlich in vielerlei hinsicht zu kritisieren, aber dennoch: sie ist verinnerlicht, und steht als abstraktes denksystem rationalen marktwirtschaftlichen abläufen durchaus mal entgegen, anstatt sie lediglich zu befördern. dass das alles in fürchterliche ideologien umschlagen kann, keine frage, doch der punkt ist der, dass sich prozesse innerhalb einer vom bürgerlichen individualismus erfassten gesellschaft, in denen solche dynamiken wie etwa die globalisierung wirken, nicht gänzlich durch starre erklärungsmuster wie das marxistische oder auch das foucaultsche erklären lassen. denn dieser individualismus ist tatsächlich möglich geworden, er wird massenhaft eingefordert, und jedesmal subjektiv geprägt. der wert der unabhängigkeit, der abgrenzung, wissensdurst, soziale bedürfnisse, sind heute gesellschaftliche fixpunkte. die bedingungen für das bewusstsein durch den für marxistInnen übermächtig erscheinenden „fetsichcharakter der ware“ wirken eben nicht dermaßen zentral, sondern eher im zusammenspiel mit vieleren weiteren faktoren; und während religiöse einflüsse zum substrat abschmelzen, übernehmen sich immer mehr verwirklichende werte des bürgerlichen individualismus wichtige funktionen.
    somit kann eine kritik an gesellschaftlichen abläufen, in denen schlagwörter wie „ungerechtigkeit“ oder „unterdrückung“ vorkommen, innerhalb eines ganz anderen bewertungssystems stattfinden, als dem, was dem ganzen marxisitischen debatierclub vorschwebt. die marxisten, von antiimp bis antiD, denken ja, dass eine kritik unweigerlich in ihrem ökonomischen system verortnet werden muss, um sie dann – von den unterschiedlichen marxistischen standpunkten aus – als zutreffend oder eben nicht beurteilen zu können. die ethik, moral, wie auch immer, die z.B. entlassene zeitarbeiterInnen aus der automobilindustrie, und dazu vllt. noch sich solidarisierende menschen antreibt, ist daher evtl. einfach mal eine grundsätzliche, und nicht mehr- also weder personalisierte kapitalismuskritik, noch proletarischer kampf gegen die ausbeutung, und auch nicht unbedingt der letzte todesschrei der sozialstaatlichkeit. hier geht es vllt. einfach mal darum, dass SUBJEKTE, wenn mensch denn davon ausgeht, dass es sie gibt, sich sagen, dass sie entgegen der sich verselbstständigten gesellschaftlichen prozesse handeln wollen, aus einem eigenen individualismus heraus, in dem sich natürlich vieles widerspiegelt, aber von dem ganzen muss der warenfetischismus nicht zwingend eine übergeordnete rolle spielen.
    vielleicht aber fehlt mir auch einfach mal eine schlüssige darlegung, wie bitte die „nicht personalisierte kapitalismuskritik“ aussehen soll. mir erscheint alles, was in diese richtung geht, als ein autoritäter weltanschaulicher rückschritt um über 200 jahre. der primat der ökonomie über den menschen, womit vllt. die kaste der intellektuellen nur ihren herrschaftsanspruch verschleiern will. individuelles handeln wird von dritter seite mit einer abstrakten denkschablone abgeglichen. tut alles nicht weh, solange dass nicht gesellschaftlich relevant wird. ich hätte allerdings keine lust auf eine gesellschaft, die den menschen systematisch ihre durch den kapitalismus hervorgerufenen denk- und handlungsweisen austreiben will, die zwanghaft allem, was ich tue, als grundlage unterstellt wird.

  11. 11 moi-même 06. Oktober 2009 um 11:52 Uhr

    classless kulla und istari lasterfahrer haben übrigens den spruch „nein nein, das ist nicht der kommunismus“ nicht selbst erfunden, sondern von der großartigen bini adamczak geliehen. aus ihrem buch „kommunismus“. nur mal so als information…

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