26.11. 90 Jahre Novemberrevolution, mit Schwerpunkt in Kiel

Es geht um die Novemberrevolution in Kiel. Wir wollen die Ereignisse nachvollziehen und die Interessen der damaligen Akteure hinterfragen. Den Beitrag stellt Uli Schippels von der Rosa-Loxemburg-Stiftung Schleswig-Holstein: werkastatt utopie und gedächtnis e. V. vor.

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Titel: 90 Jahre Novemberrevolution

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DIE REVOLUTION IN KIEL

Die Seite zur Novemberrevolution wird im November 2008 ständig erweitert….

Im August 1914 brach der erste Weltkrieg aus. In Detuschland, Frankreich und fast allen anderen eruopäischen Staaten stellen sich die Arbeiterparteien – die noch kurz vorher im Juli Friedensaufrufe verbreitet hatten – nun an die Seiten „ihres Landes“.

Am 4. August 1914 stimmt die Reichstagsfraktion der SPD der Bewilligung der Kriegskredite zu: „Wir lassen das Vaterland in der Stunde der Gefahr nicht im Stich“, so die Begründung.

Am 2. Dezember 1914 stimmt Karl Liebknecht, Mitglied der Reichstagsfraktion der SPD, als Einziger gegen die weitere Bewilligung von Kriegskrediten.

Am 14. Juni 1916 kommt es auf der Kieler Germania-Werft (die zum Krupp-Konzern gehört) zu einem ersten Streik aufgrund der schlechten Lebensmittelversorgung.

Am 12. März 1917 wird der Zar in Russland gestürzt. Es folgt die Bildung einer bürgerlichen Regierung.

Am 27. März 1917 demonstrieren in Kiel ca. 20.000 Menschen gegen die schlechte Lebensmittelversorgung. Erstmals werden Forderungen nach „Frieden und Freiheit“ laut. Die Gewerkschaften gegen den Streikenden keine finanzielle Unterstützung.

Im April 1917 spaltet sich die Unabhänige Sozialdemokratische Partei (USPD) von der SPD ab. Die USPD tritt offen gegen den Krieg auf. Der Spartakusbund um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht schließt sich als selbstständige Organisation der USPD an.

Im August 1917 gibt es eine erste Meuterei auf der Hochseeflotte in Wilhelmshaven. Die Matrosen Reichpietsch und Köbis werden als sogenannte „Rädelsführer“ hingerichtet, 76 weitere Matrosen werden zu langen Haftstrafen verurteilt.

Am 7. November 1917 übernehmen die Bolschewiki in Russland die Macht (Oktoberrevolution). Sie bieten Deutschland den sofortigen Frieden ohne Annexionen und Kontributionen an.

Am 22. Dezember 1917 beginnen die Friedensverhandlungen mit Russland in Brest-Litowsk. Die großen Friedenshoffnungen werden durch die Annexionsforderungen der Deutschen Generalität enttäuscht. Erst im März 1918 kommt es zum Friedensschluss.

Im Januar 1918 gibt es politische Massenstreiks in Österreich-Ungarn. Arbeiterräte werden in Wien, Prag und Budapest gegründet.

Am 25. Januar 1918 streiken in Kiel die Arbeiter von 10 Rüstungsbetrieben. Dies ist eine Reaktion auf die festgefahrenen Friednesverhandlungen mit Russland. Auch in anderen deutschen Städten kommt es zu politischen Massenstreiks mit der Forderung nach Frieden. In Kiel entsteht der erste Arbeiterrat, der allerdings keine nachhaltige Wirkung entfaltet.

Am 29. Januar demonstrieren in Kiel auf dem Wilhelmplatz 40.000 Arbeiter für bessere Ernährung und die Beendigung des Krieges. Die Streiks werden mit Gewalt beendet.

Die Großoffensive Deutschlands an der Westfront (21. März 1918) bleibt stecken. Der Krieg gilt nach dem Fehlschlag der Märzoffensive als verloren, ein Verständigungsfrieden ist nicht mehr möglich.

Nicht zuletzt auch auf Drängen der Obersten Herresleitung (Ludendorff) wird am 3. Oktober eine dem Parlament verantwortliche Regierung gebildet. Die SPD tritt in die Regierung des Prinzen Max von Baden ein (,Revolution von oben“). Eine „demokratische Regierung“ ist Bedingung für die Aufnahme von Friedensverhandlungen seitens der USA (Präsident Wilson).

Am 22. Oktober beschließt die Marineleitung unter Admiral von Scheer einen Angriff auf die englische Flotte aus Gründen der „Wahrung der Ehre“.

Am 30. Oktober verhindern Matrosen auf der vor Wilhelmshaven liegenden Flotte das Auslaufen der Schiffe. Die Lichtmaschinen der Ankerketten werden zerstört, das Feuer wird aus den Kesseln gerissen. Es kommt beinahe zu Kampfhandlungen zwischen den Einheiten der Deutschen Marine. Letztlich werden über 1.000 meuternde Matrosen verhaftet. Die Marineeinheiten werden in ihre Heimathäfen zurückgeschickt.

Das III. Geschwader mit dem Heimathafen Kiel passiert am 31. Oktober die Elbmündlung und fährt in der Nacht in die Holtenauer Schleuse ein. Sofort werden 47 der angeblichen „Rädelsführer“ ins Gefängnis überführt.

Mit den darauf folgenden Ereignissen wird Kiel für kurze Zeit zum Brennpunkt der Geschichte.

Folgende Quellen wurden für die kommende Darstellung der Ereignisse benutzt:

- Kuhl, Klaus, „November, Kiel schreibt Geschichte“, Matrosenaufstand November 1918, Begleitbuch zum Videofilm von Klaus Kuhl, 1991 (www.kurkuhl.de)

- Dähnhard, Dirk, Revolution in Kiel, Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1978

- Klaus, Matthias, Novemberrevolution in Kiel, 2005, unveröffentlichtes Manuskript (Facharbeit LK Geschichte, Marienschule Lippstadt)

- Eckhard Colmorgen, Stefan John, Stephan Link, Catherine Reisemann, Projektgruppe „Matrosenaufstand in Kiel von 1918″, Kiel 1988

- Sebastian Haffner, Der Verrat, Verlag 1900, Berlin 2000

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Für Interessierte bieten sich noch folgende Links:

Der Kieler Klaus Kuhl dokumentiert auf seiner Homepage viele Augenzeugenberichte und bietet Hintergrundmaterial an.
Informativ sind auch die Seiten zur Revolution in Kiel von VIMU – das virtuelle Museum zeigt lebendige Geschichte der deutsch-dänischen Grenzregion





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