Samstag 28.01. Richard Gebhardt: „Divided States of America“ – Erobert die Tea Party das Weiße Haus?

Vor den Präsidentschaftswahlen im November 2012 zeigen sich die USA so gespalten wie selten zuvor. Während Präsident Obama in seiner Politik einen Kompromiss nach dem anderen eingeht, zeigt sich die GOP der Republikaner unversöhnlich. Die radikale Rechte ist, so scheint es jedenfalls, ist in den USA auf dem Vormarsch. Der Vortrag analysiert die Anatomie der US-amerikanischen Rechten und zeigt, welche gesellschaftlichen Triebkräfte hinter Phänomenen wie den Birthers oder der Tea Party stehen.

Der Referent Richard Gebhardt ist Politikwissenschaftler an der RWTH Aachen und freier Journalist. Mit Dominik Clemens hat er zuletzt den Sammelband “Volksgemeinschaft statt Kapitalismus – zur sozialen Demagogie der Neonazis” (Köln 2009) publiziert.

Text von Richard Gebhardt zur Entstehungsphase der Tea Party aus der Jungle World

am 28.1. um 13:00h in der Hansa48

Freitag 27.01. Richard Gebhardt: „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen …“ – Der Fall Sarrazin und die Krise der Repräsentation

Heftig wird seit über einem Jahr darüber debattiert, ob das Buch des ehemaligen Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin
rassistische und sozialdarwinistische Passagen enthält. Gestritten wird auch über die Grenzen der Meinungsfreiheit: Stephan Kramer vom Zentralrat der Juden in Deutschland stellte das Ex-Vorstands-Mitglied der Bundesbank in die Traditionslinie der NPD, den Zentralrat der Muslime nannte Sarrazin gar einen “Nazi im Nadelstreifen”. Auch Kanzlerin Merkel und Bundespräsident Wulff schalteten sich in die Debatte ein.

Offenkundig trifft der Bestseller einen Nerv der öffentlichen Meinung: Zahllose Kommentare in den Internetforen und Leserbriefe zeigen, welch große Zustimmung Sarrazins Kritik an der deutschen Integrationspolitik und an “Multikulti” – Konzepten erfährt.

Dieses prominente Beispiel wirft Fragen auf: Welche Aussagen sind als “rassistisch” zu bewerten? Welche Verbreitung haben
“ausländerfeindliche” Positionen gerade in der so genannten Mitte der Gesellschaft? Gibt es tatsächlich politisch korrekte
Denkverbote in Deutschland? Und warum sind jene so erfolglos, die behaupten, die „Partei zum Buch“ zu sein?

Der Vortrag untersucht anhand der Bruchlinien der Sarrazin-Debatte die Krise der Repräsentation in Deutschland.

Der Referent Richard Gebhardt ist Politikwissenschaftler an der RWTH Aachen und freier Journalist. Mit Dominik Clemens hat er zuletzt den Sammelband “Volksgemeinschaft statt Kapitalismus – zur sozialen Demagogie der Neonazis” (Köln 2009) publiziert.

Hier ein Text von Richard Gebhardt zum „Fall Sarrazin“

am 27.1. um 18:00h, Uni OS40 Alte Mensa, kleiner Hörsaal

19.01. Lesung: „Kaltland-Eine Sammlung“ mit den Herausgeberinnen Manja Präkels und Markus Liske

Kaltland – Eine Sammlung

Die Brandanschläge in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen haben sich als Horror­szenarien eines neuen Rassismus nach der Wende in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt. Umso bemerkenswerter ist es, dass in den zahllosen Wenderomanen weder die Opfer eine klare Stimme erhalten noch die Neonazis und Skinheads eine Rolle spielen. Zwanzig Jahre danach füllt »Kaltland« diese Leerstelle mit Erzählungen, autobiografischen Geschichten und Originaltönen prominenter Autoren und Künstler.

Die beiden Herausgeberinnen Manja Präkels und Markus Liske werden aus dem Inhalt lesen und das Buch u.a. mit Beiträgen von Alexander Kluge / Volker Braun / Emine S. Özdamar / Jakob Hein / Gesine Schmidt / Angelika Nguyen / Hermann L. Gremliza / Martin Sonneborn / Schorsch Kamerun / Peter Wawerzinek / Michael Wildenhain / Kerstin Hensel / Jutta Ditfurth / Key Pankonin / Carmen F. Banciu / Freke Over / Wolfram Kempe / Matthias Vernaldi / Uta Pilling / Henryk Gericke / Annett Gröschner / Katrin Heinau / Bianca Bodau / Thomas Meyer / Jochen Schmidt / Yonas Endrias / Heiko Werning / Roger Willemsen vorstellen.

Stattfinden wird diese Lesung in der Hansa48 ab 19:00
Der Eintritt ist – wie immer – dank der Untersützung der Rosa Luxemburg Stiftung Schleswig-Holstein frei.

Dienstag 10.01. Vortrag von Peter Bierl: Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister – Die Antroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik

Hautcreme für den Babypopo von Weleda, biologisch-dynamische Karotten der Marke Demeter, Rudolf-Steiner-Brot im Naturkostladen und die Waldorfschule kennen viele, nicht aber die damit verbundene Weltanschauung der Anthroposophie. Dabei ist sie eine der ältesten und mit bundesweit etwa 20.000 Mitgliedern (weltweit ca. 60.000) eine der wichtigsten esoterischen Strömungen unserer Zeit.

Peter Bierl beschäftigt sich in seinem Vortrag mit der Anthroposophie und ihrem Gründer Rudolf Steiner. Der Mann, der sich als Hellseher inszenierte und von seinen Anhängern als “Menschheitsführer” und Wiedergeburt von Aristoteles verehrt wurde, war überzeugt, dass nur die “weiße Rasse” am Geiste schafft, während Asiaten dekadent, Schwarze überhitzte Triebwesen und Juden einseitig intellektuell und zersetzend seien. Die Deutschen rechnete der Guru einer fünften Wurzelrasse der Arier zu, die noch einige Jahrtausende führend sein solle.
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15. 12: „Aufstände, Rassismus und die Krise des Kapitalismus – England im Ausnahmezustand“

Buchvorstellung mit Moritz Altenried (Berlin | London)
15.12.2011 | Universität Kiel | Alte Mensa | kleiner Hörsaal | 18 Uhr

Aus dem Inhalt: Der Ausnahmezustand in England im Sommer 2011 hat Fragen gestellt, auf die bisher wenig überzeugende Antworten gefunden wurden. Die Versuche der Regierung, die Riots als „Kriminalität“ zu depolitisieren, wirken verzweifelt und bieten keine überzeugenden Erklärungen für die schwersten sozialen Unruhen seit mindestens 20 Jahren.
Das Buch interveniert in diese Debatte und arbeitet den politischen Charakter der Geschehnisse heraus. Wenn die Aufstände einen Ausnahmezustand darstellen, dann in dem Sinne, dass die revoltierenden Jugendlichen einen alltäglichen Ausnahmezustand sichtbar gemacht und teilweise umgekehrt haben. Dies ist der tägliche Ausnahmezustand, den die kapitalistische Gesellschaft für immer größere soziale Gruppen darstellt und der, so der italienische Philosoph Giorgio Agamben, konstitutiv für moderne Gesellschaften ist. Durch soziale Marginalisierung und Perspektivlosigkeit sowie Diskriminierung wird vielen die gesellschaftliche Teilhabe verweigert und klar gemacht, dass sie nicht Teil der neoliberalen „Big Society“ sind. Die Unruhen sind als Antwort darauf zu verstehen. Allerdings macht es die teilweise wahllose und oftmals (selbst-)zerstörerische Gewalt oft auch für die Linke schwierig, dies als eine explizit politische Antwort zu sehen. Das hat auch mit der fast vollständigen Verweigerung politischer Kommunikation seitens der revoltierenden Jugendlichen zu tun, die sich etwa in der Abwesenheit politischer Forderungen oder den Angriffen auf Journalist_innen und Übertragungswagen der Fernsehanstalten äußert. Diese Verweigerung politischer Signifikation ist Ausdruck tiefgreifender Subalternisierung und einer Krise des Politischen im Neoliberalismus. Gleichzeitig erschwert dies die Interpretation innerhalb vorgefertigter politischer Deutungsrahmen und verlangt eine komplexe Analyse.

Moritz Altenried ist Politik- und Kulturwissenschaftler und lebt in London und Berlin. Seine Interessen und Forschungsschwerpunkte umfassen Cultural and Social Theory, insbesondere post-strukturalistische und post-koloniale Ansätze, Rassismus, (Bio-)Macht, Theorien der Differenz und Repräsentationskritik sowie Politische Ökonomie. Darüber hinaus ist er in bildungspolitischen und antikapitalistischen Zusammenhängen aktiv und in den Kämpfen gegen Kürzungen in Bildungs- und Sozialbereich in England engagiert.

Das Buch erscheint im Februar im Verlag edition assemblage: http://www.edition-assemblage.de/

Achtung: Veranstaltung am 8.12. entfällt!

Leider muss unsere Veranstaltung am 8. Dezember kurzfristig entfallen. Sie wird aber im Frühjahr des kommenden Jahrs eventuell nachgeholt werden.

01.12. Republikanischer Sozialismus – Zur sozialistischen Theorie demokratischen Wandels

Am Donnerstag den 1. Dezember wird Dr. Matthias Lemke vom Institut für Politikwissenschaft, Lehrstuhl für Politische Theorie
der Universität Duisburg-Essen einen Vortrag zum Republikanischen Sozialismus halten.

Ort: Uni Kiel | Alte Mensa | kleiner Hörsaal | 18 Uhr

In Kooperation mit der Fachschaft Politikwissenschaft der Uni Kiel

„Der Sozialismus kennt als einzige Ideologie sowohl eine freiheitliche wie auch eine totalitäre Variante. Dabei haben sich im Laufe des 20. Jahrhunderts die demokratischen Sozialismusentwürfe gegenüber den kommunistischen durchgesetzt. Mit Blick auf die Auseinandersetzung über die Versuchung revolutionärer Gewalt, wie sie insbesondere in Deutschland von Eduard Bernstein und Karl Kautsky intensiv geführt worden ist, stellt sich die Frage: Worin liegen die Gründe für diesen
langfristigen Erfolg der Allianz von Demokratie und Sozialismus?“

Literaturtipp: Matthias Lemke: Republikanischer Sozialismus. Positionen von Bernstein, Kautsky, Jaurès und Blum, Frankfurt/Main 2008.

„Antifa – Geschichte und Organisierung“

Buchvorstellung mit Moritz Krawinkel u.a.

03.12. | Hansa 48 | 15 Uhr

Gemeinsame Veranstaltung mit der Autonomen Antifa Koordination Kiel und in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Schleswig-Holstein.

Aus dem Inhalt: „Antifaschismus ist eines der zentralen Aktionsfelder der radikalen Linken in Deutschland: In fast jeder Klein- und Großstadt existierten Antifa-Gruppen, viele Jugendliche finden über die Jugendantifa zu linksradikaler Politik und immer wieder machen militante Aktionen gegen Nazis und ihre Aufmärsche von sich reden.
Doch was zeichnet diesen autonomen Antifaschismus aus? Wo liegen seine historischen Wurzeln und theoretischen Bezugspunkte? Die Endphase der Weimarer Republik, in der die historische Antifaschistische Aktion entstand, ist kaum mit den heutigen Bedingungen der autonomen Antifa zu vergleichen. Dazwischen lag nicht nur der Bruch, den Nationalsozialismus und Shoah für jedes linksradikale Engagement in Deutschland bedeuteten; auch die Entwicklungen in der BRD und dem wiedervereinigten Deutschland schufen jeweils neue historische Bedingungen, denen sich revolutionäre AntifaschistInnen stellen mussten. Ihnen allen gemeinsam ist jedoch die, in Max Horkheimers Diktum «Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen» formulierte Position gegen die kapitalistische Gesellschaft und eine Perspektive auf Überwindung aller Herrschaftsverhältnisse.
Gegenstand dieses Buches sind also die Entwicklungen und Brüche in Theorie, Organisierung und Praxis jenes Verständnisses von Antifaschismus, das Ende der 1980er Jahre in der Formel des «revolutionären Antifaschismus» auf den Punkt gebracht wurde und bis heute in zahlreichen Antifa-Gruppen bundesweit in weiterentwickelter Form Ausdruck findet.“

Das Buch von Mirja Keller, Lena Kögler, Moritz Krawinkel und Jan Schlemermeyer ist in der theorie.org-Reihe erschienen.
Siehe: http://www.theorie.org/titel/665_antifa

Rave against Repression.19.11.11.23h.Hansa48.

rave

Ort: Hansa 48, Hansastraße 48, Kiel
Time: 19.11.11 ab 23h

electro/drumnbass/noise/techhouse/soulgroove:

DJ’s:
ill-mannered & Aguirre (somarausch)

+chillout floor

eintritt: vier€ [+ein€ soli*]

*soliparty für den akkiel und für betroffene von staatlichen repressionen während der antifaschistischen proteste in dresden im februar 2011.

http://akkiel.blogsport.de/

…::::come in and dance on::::…

„Die Werttheorie des Postoperaismus – Darstellung, Kritik und Annäherung“

Vortrag mit Philipp Metzger (Frankfurt)

15.11.2011 | Uni Kiel | Alte Mensa | kleiner Hörsaal | 18 Uhr

Vorgestellt wird die Arbeit von Philipp Metzger, in welcher er die Werttheorie von Michael Hardt und Antonio Negri sowie die zugrundeliegenden geschichtsphilosophischen Prämissen analysiert. Angesichts der zunehmenden Bedeutung ›immaterieller Arbeit‹ im postfordistischen Kapitalismus, so die These der Autoren, scheint sich die Frage nach der Gültigkeit des Marxschen Wertgesetzes zu stellen. Die Marxsche Werttheorie analysiert die Kategorie des Wertes als soziales Verhältnis und damit kapitalistische Vergesellschaftung als strukturell antagonistische. Die Frage nach dem Wert und die Debatte über die Werttheorie bewegen sich daher im Spannungsfeld von Struktur und Handlung. Michael Hardt und Antonio Negri kommen zu dem Fazit, dass das Wertgesetz, wonach Arbeitszeit Wert bildet, angesichts der neuen Produktivkräfte revidiert werden müsse. Dabei folgt aus ihrer Analyse einer neuen fragmentarischen Werttheorie, dass die immaterielle Arbeit das Potenzial für eine Art »spontanen Kommunismus« bereithalte. Diese Analysen werden darstellt und mit einer kritischen Darstellung konfrontiert. Der Referent stellt in diesem Kontext seine These vor, wonach die Autoren zu ihrer Analyse nur aufgrund ihrer ultra-substanzialistischen Interpretation des Marxschen Wertgesetzes und einer verkürzten Technikkritik kommen konnten.



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